Wir 5 auf dem Càmping Bon Repòs (Provinz Barcelona)
- Judithsvilla
- 8. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025
Im Vorfeld versuchten wir über die Webseite bei Càmping Bon Repòs zu reservieren indem Mails geschrieben und angerufen wurde, alles ohne Erfolg. Ich meine ich sollte es dabei belassen und nicht hinfahren, jedoch hatte ich gesehen dass sich der Campingplatz direkt, also direkt, am Strand befindet. Die Wetterprognose verhieß Sonne und bis zu 25 Grad Celsius. Wir riskieren also alles und fahren auf Gut Glück zu Bon Repòs. Die letzten Meter, eine Durchfahrt unter den Bahngleisen hindurch, die nur 2,50 Meter hoch sind. Ein wenig Nervenkitzel ist dabei da unser Wohnwagen mit 2,55 Metern Höhe ausgezeichnet ist. Klappt. Dennoch soviel steht fest: auf dem Rückweg nutzen wir einen anderen Weg.
Die Schranke vom Càmping Bon Repòs öffnet sich uns und ein Herr im Häuschen klärt telefonisch (20 Meter weiter bei der Rezeption) ab, ob ein Stellplatz für uns frei ist. Wir sollen das Auto und den Wohnwagen parken und zur Rezeption. Ja sie haben eine Parzelle für uns, diese dürfen wir uns auch selber aussuchen, es gibt ausreichend Platz. Abgesehen von dem Handy im Empfangshaus, erkenne ich in der Rezeption 2 Computer und ein Telefon. Weswegen sie unsere Anfragen nicht beantworten, wer weiß. Wir beziehen routiniert unsere Parzelle. Die Kinder sind dabei selig ins gemeinsame Spiel vertieft.
Ich bemerke, dass ist kein Campingplatz des Wohlfühlens für mich: um uns herum kein spanisches Feeling. Ich sehe auf den 1. Blick ausschließlich deutsche Kennzeichen. Es scheint ein Urlaubsdomizil zu sein, passt zur Strandnähe. Beim Manövrieren des Wohnwagens erhalten wir keinerlei Hilfe, stattdessen werden wir beobachtet. Liegt es am recht hohen Durchschnittsalter? Für mich jedenfalls kein angenehmes Gefühl. Die Parzelle ist recht klein, jedoch ausreichend. Mein Thema: der Boden. Kein Gras, aber auch nicht staubig. Es ist ok. Strom, Wasser und Grauwasser sind an einer kleinen Säule direkt an der Parzelle vorhanden, immerhin. Wie vorhin beschrieben sind wir unter Bahngleisen gefahren um zum Campingplatz zu gelangen. Jetzt kommt die Retoure. In geregelten Abständen fährt ein Zug hörbar am Platz entlang. Die Lage ist ungefähr: Mittelmeer, Strand, Gehweg, Campingplatz, Zufahrtsstraße, Bahngleisen, Promenade.

Auf der Fahrt zu Bon Repòs ist dieses Mal einiges schief gelaufen mit Aurelio: die Klappe vorn war nicht mit Schlüssel verschlossen, so dass es auf der Fahrt klapperte. Jedoch hätte das Klappern auch am offenen Kasten für den Stromanschluss liegen können, mi culpa Nach Ausbalancieren von Aurelio öffne ich die Wohnwagentür und da liegen feuchte Kinderschuhe mit Wäschespinne auf dem Boden. Die initiale Idee war: die feuchten Schuhe bleiben im Wohnwagen an der Wäschespinne hängen und trocknen dadurch schnellstens. Scheinbar waren die Schuhe, zu meiner Verteidigung: es sind Kinderschuhe, doch zu schwer für die paar Euro günstige Spinne. Nun gut, dann eben ab damit in die Sonne. Ebenso wie wir 4: es geht die paar Meter ab zum Strand und die Kinder spielen mit den Wellen
Tag 2 auf dem Campingplatz am Meer: Es sind 25 Grad Celsius. Auf dem Platz ist es windstill. Dank zahlreicher Bäume beschattet und doch gibt es genug Stellen auf denen die Sonne durchscheint. Genau dort ist es zu warm für mich. Die Menschen um mich herum liegen in ihrer Badekleidung oder den kürzesten Kleidungsstücken die sie besitzen auf ihren Stühlen. Klar, die Sommerbräune. Uns 4 hingegen zieht es ans Mittelmeer. Der Platz ist dafür gemacht, keine Minute Gehweg und ich berühre den Strand. Der Wind ist stark, sehr stark. Die für den Tag angesagten Windböen machen, dass die gefühlte Temperatur von „heiß“ auf „ich lasse mein Oberteil an“ sinkt. Auf dem Platz ist dank Schutz durch Bäume und Wohnwägen und Wohnmobile nichts zu merken. Kind1 und Kind2 spielen am Wasser. Kind3 und ich geben uns ganz dem Schüttspiel hin. Es ist so friedlich und leer am Strand. Es sind ganz wenige Menschen unterwegs bzw. lassen sich nieder. Als mein Mann zu uns stößt, wage ich eine Familienpartie Volleyball welche eher ein zuwerfen ist, dennoch nicht weniger Spaß bereitet.

Langsam sind klare Veränderungen am Leben im Wohnwagen zu erkennen: Eins meiner Kinder hat das Abwaschen für sich entdeckt und erledigt dies nahezu tagtäglich mit Lust und Laune. Das ist eine enorme Erleichterung, da der Abwasch immer anfällt und bei uns sofort erledigt werden muss. Wir haben weder ausreichend Geschirr, Teller oder Pfannen mit, noch ist der Platz da um den Abwasch herumstehen zu haben.
Es ist bereits bemerkbar, dass wir alle mehr Zeit miteinander verbringen: Mein Mann und ich mehr Quality Time, statt Routine. Das liegt auch am Wohnwagen sowie an seinen Arbeitszeiten, die wie die bisher („9 to 5 Job“) sind und wir uns an die spanische Routine angepasst haben: Schlafen 8-9 Uhr, Siesta von 14-16 Uhr und Abendessen 20 Uhr. Die Schlafenszeit der Kinder beginnt um ca. 22 Uhr rum. So kann mein Mann nach Feierabend beispielsweise noch einen Ausflug mit uns unternehmen. Auch die Kinder untereinander und mein Mann und die Kinder verbringen so intensivere Zeit zusammen.
An einem Abend verlassen wir 5 den Campingplatz Bon Repòs und gehen an der Zufahrtstraße entlang der (abgezäunten) Bahngleisen zur Promenade. Ich bezeichne sie mal als Partymeile: Restaurant an Hotelrestaurant an Souvenirladen an Kiosk an kleinen Ständen sind vorhanden. Wir finden zwischen all dem auch einen Spielplatz. Für mich ist das ein absolutes unwirkliches Szenario: Wir 5 zusammen in der Dunkelheit, bei angenehmen Temperaturen zu einer in Deutschland nicht kindgerechten Uhrzeit, unterwegs. Auch an der Promenade ist das Saisonende zu erkennen: viele Läden sind bereits geschlossen, entspannte Mitarbeiter*Innen ohne Verkaufsdruck, die Restaurants sind nahezu leer und an der einen oder anderen Stelle erhasche ich ein Gespräch bis wann denn noch geöffnet sei: „November“.
Die Tage über gehe ich meist mit den Kindern einkaufen, Essen, Ergänzungseinkäufe für Aurelio. Keine Frage: einkaufen zu 4. ist für uns alle eine Herausforderung. Jedoch fühlen sich die Kinder involvierter, bestimmen mehr mit und wie ich hoffe, verstehen auch mehr. Anschließend gehts dann zum Strand, Sonne tanken, im Sand und mit dem Wasser spielen.
Unser Tag 3-5 vor Ort sind das Ende der Herbstferien in NRW und es wird auf dem Campingplatz nochmals ruhiger. Viele Wohnwägen und Wohnmobile treten am Freitag oder Samstag die lange Fahrt zurück nach Deutschland an. Durch die Abfahrt der Ferienabhängigen hebt sich das Durchschnittsalter enorm. Die Kinder freuen sich über die ganzen freien Parzellen und spielen viel draußen. Abends verlegt sich für uns das Kochen und Essen nach drin in den Wohnwagen. Die Dunkelheit macht es so gemütlicher, von Kälte kann ich bei aktuell noch ungefähr 20 Grad Celsius nicht sprechen.
Eines Morgens, Tag 5 der Abreisetag, wache ich auf und höre ein ganz ungewohntes Geräusch: Regen. Ganz sanft und leicht, aber doch soviel, dass wir beim Austreten aus Aurelio unsere Regenjacken anziehen. Das ist dann auch der Tag an dem wir abreisen (Ich kann schon spoilern, bei Ankunft an der nächsten Unterkunft scheint die Sonne. Bislang haben wir richtig Glück mit dem Wetter.) Diesen Morgen finde ich meinen Frieden mit dem Campingplatz. Es ist ein Sonntag und der Zug rollt ausnahmsweise statt 7 Uhr irgendwas, erst gegen 8 Uhr an meinem Ohr vorbei. Und: Da die Meisten an den Vortagen abgereist sind, kann ich mit ein bisschen verrenken bis zum Meer schauen. Vielen Dank für diesen Abschied.




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