Unser Campingplatz in Murcia, Spanien: Espacio Finca Alegría
- Judithsvilla
- 6. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Zwischen den Provinzen Alicante und Granada befindet sich die Provinz Murcia. Ich persönlich habe nie zuvor von der Provinz gehört. So passte es gut dazu, dass wir recht lange für einen Campingplatz suchen mussten. Üblicherweise ist spätestens der 3. angefragte Campingplatz passend, aber hier sind es bestimmt 10 gewesen. Die Anfragen beinhalten:
* die Länge von Aurelio: 7 Meter
* die Anzahl an Personen: 2 Erwachsene plus 3 Kinder mit Alter
* das Format: Auto plus Wohnwagen
* Zeitraum: meist 2 Tage (Vor Ort verlängern wir dann je nach Lust und Laune. Wir verlängern meistens. Ggf. könnten wir das auch vorab gleich länger buchen…)
* ob es Besonderheiten beim Anfahrtsweg weg wie enge Kurve, steiler Berg, bestimmte Abbiegung.
Jedenfalls von letztendlich doch 3 Möglichkeiten ist es „Espacio Finca Alegría“ geworden. Die Finca befindet sich nicht am Strand und es scheint alles eher informell zu sein, befindet sich nach eigenen Aussagen „im Aufbau“. Ich möchte das gerne mal ausprobieren, also wagen wir den Sprung. Wortwörtlich, denn die Straße dahin ähnelt einem holprigen Feldweg. 2 Camper keine Option. Dies wurde bei den „Besonderheiten“ bei der Anfrage auch erwähnt. So führt eine Straße zu der Finca und eine andere weg davon. Dafür ist aber auch zusätzlich mit ausreichend Beschilderung gesorgt.
Wir halten vor dem Eingang, denn da passt Aurelio definitiv nicht durch. Aha, für Wohnwägen gibt’s einen anderen. Kurz ums Eck gefahren und da darf sich direkt eigens eine Parzelle ausgesucht werden, Platz ist ausreichend vorhanden (ein großer Platz mit Schotter, kleinen Bäumen und drum herum nur Feld). Ebenso wie Ruhe, Sonne und Wind. Die Parzelle ist schnell ausgewählt, Check in erfolgreich abgeschlossen und so geht’s an den Aufbau, ohne Markise da kein Regen angesagt ist. Ich bin froh über unsere Flexibilität, denn zu weilen hat auch nicht jede Parzelle ausreichend Platz für Markise, Wohnwagen und Auto.

Nach fertigem Aufbau gibt’s erst einmal Essen. Kind3 bereitet vor und schlägt sich tapfer: Fliegen schwirren umher. Viele. Sehr sehr viele. Der Versuch draußen zu essen scheitert damit leider kläglich. Das Wetter spielt mit, aber es ist kein ruhiges Essen möglich. Ein Blick auf die anderen Camper zeigt: die wissen das schon. Niemand isst draußen.
Den Ankunftstag nutze ich gern als Haushaltstag, da wir meist zum Mittag ankommen, dann alles aufbauen, uns umschauen und die Gepflogenheiten kennenlernen. Das nimmt - zu 5. ein paar mal mehr - Zeit in Anspruch. An dem Tag schmeiße gleich ein Paar Wäschen an. Hintereinander versteht sich, es gibt nämlich lediglich eine. Und eigenes Waschmittel ist auch fehl am Platz, sehr zu meinem Leidwesen.
Es wird bereits dunkel und es ist nicht weg zu ignorieren: wir befinden uns im Nirgendwo. Keine Mauer, kein Zaun um uns herum. Felder, Natur. Ein sternenklarer Himmel, der Sonnenuntergang ist vollends zu sehen. Der Wind peitscht durch. So stark, dass unser leicht gefüllter Grauwassereimer (der steht nur so unter dem Wohnwagen beim Grauwasser) davon rollt. Stein rein, so bleibt er. Die Temperaturen gehen runter und wir schauen auf eine (fast erstmalige) sehr kalte, aber auch sternenklare Nacht hinaus.
Den nächsten Morgen erwacht ist klar: es ist kalt. 7 Grad Außentemperatur. Grrr. Noch ein bisschen sich drücken, einkuscheln und am Handy Nachrichten und Bilder versenden. Keine Chance, es gibt kaum Internet. Ich habe kein Empfang und das Wlan vom Campingplatz schläft noch. Hm. Ok, ich ergebe mich und renne zur Heizung, schmeiße sie an und warte bis es warm ist. Leider gehts bei der Heizung: An aus an aus. Aha. Der Strom flackert. Das läuft ja wirklich prima. Ich bin jedoch nicht zu stoppen: Ich nutze den Solarstrom von Aurelio. Besser. Mein Teewasser, dann wieder am Landstrom, benötigt dann insgesamt eine halbe Stunde um zu kochen da es sich nach ein paar Sekunden immer wieder abschaltet.
Ich gedulde mich, die Kinder erwachen langsam. Es wird 9 Uhr und auch die Rezeption startet den Tag. Damit bessert sich einiges: Internet läuft. Strom läuft. Die Sonne heizt ein. Besser. Viel besser. „Finca im Aufbau“ hat bei mir seither eine Definition.
Aus dem Wohnwagen gepellt, darf ich Wasser holen, da der Wassertank leer ich. Bei dem Vorhaben bleibts: es läuft kein Wasser. Nirends. Ich frage nach, da ja nun die Rezeption besetzt ist. „Reparaturarbeiten, in 20 Minuten ist wieder Wasser da“ ist die Antwort. Kein Problem, passt zu dem Morgen. Nach 20 spanischen Minuten, also einer tatsächlichen Stunde, gibts wieder Wasser. Welch entschleunigender Start in den Tag!
Ein paar Highlights gibt die Finca von sich: meine Kinder sind gern bei den Hunden, Hündin und Rüde mit ein gemeinsames Welpe. Allerdings befinden sie sich hinter einem Zaun im großen Gehege und sind getrennt voneinander. Der Welpe kann hin und her springen. Die Eltern sind getrennt voneinander, weil sie keine weiteren Kinder zeugen sollen.

Ein paar Katzen entdecke ich nach einiger Zeit auch. Mit Futterdose. Ob sie nun da leben oder nur da gefüttert werden oder ob das ein und das selbe ist, ich weiß es nicht. Katzen sind mittlerweile Gang und gebe, allgegenwärtig.
Mein Mann erfüllt sich an einem Abend einen Herzenswunsch: wir gehen essen. Die Finca weißt ein Restaurant auf. Es ist so warm da drin. Sehr warm. So ein Kontrast zu der Kälte sobald die Sonne untergegangen ist. Klar jedenfalls, dass sich im Restaurant gefühlt alle Camper*innen treffen. Wir werden hier wohl nur noch essen gehen, schon allein um uns einzuheizen. Es gibt Essen in Bioqualität sowie auch glutenfreies als Auswahl. Wir schlemmen uns durch von Pizza zu Tortilla. Die Wartezeit, da es lediglich eine Bedienung = Köchin = Kassieren gibt, vertreiben wir uns mit Uno spielen.
Nicht sehr hervorzuheben sind leider die Duschen. In meinem Kopf heiß dampfend, erweist sich die Realität als hart. Die Wassertemperatur ist nicht regulierbar und kalt bis lauwarm. Die Wäscheräume sind nicht beheizt. Hart. Sehr, sehr hart für mich. Allerdings ist mir anschließend gut warm!
Am Abreisetag gehe ich einer neuen Tradition nach - ich gehe joggen. Irgendwo im Nirgendwo. Ich allein. Fremdes Land. Mein längster „Run“ wird das nicht. Anschließend gehe ich einem Gerücht nach: es soll eine 2. Dusche geben, versteckter (ich kann’s verstehen), mit eigener Toilette, Waschbecken und mit regulierbarer Temperatur. Ich finde sie und Jackpot! Nicht meine beste Idee nebenbei praktischerweise auch die die Waschmaschine laufen zu lassen, da diese scheinbar den gleichen Wasseranschluss hat. Dennoch es ist eine angenehme Dusche. Ich bin happy.
Zusätzlich hege ich die stille Hoffnung, dass auch das Waschmittel, natürlich bereits voreingefüllt, ökologisch ist, da sich auch der kleine Laden der Rezeption (mit Aufstrich, Brot, gekühltes Essbares und Trinkbares, Konserven und ein paar frisches Obst und Gemüse. Alles zusammen keine 5 Regale breit) Bioqualität aufweist (Spoiler: nein. So ganz viel nein, dass noch Wochen nach der Wäsche der Geruch des Weichspülers verewigt hat).
Es ist ein wehmütiger Abschied. Trotz allen Umständen und Belangen haben wir uns sehr wohl gefühlt. Es gab unfassbar aufregende andere Campingmobile, die wohl auf "normalen" Plätzen nicht da gewesen wären. Das waren selbst gepimpte Reisebusse und auch Mountain-Camper-LKWs. Am Abreisetag weht auch erstmalig kein Wind, die Sonne heizt stark ein, T-Shirt Wetter und schon ist das spanische Lebensgefühl wieder da. Sobald die Sonne da ist, ist alles vergessen.



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