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Die Fahrt ins Abenteuer


Wir starten. Es geht los. Vamos! 14 reine Autofahrtstunden lagen vor uns. Aber Moment mal: wir fahren mit Wohnwagen und der darf maximal 80 km/h fahren. Wir rechnen mit 19 Stunden im Auto. Wir evaluieren Optionen, schmieden Pläne und verwerfen sie wieder. Es entsteht folgender Plan: Wir fahren täglich ca. 5 Stunden mit dem Auto - Pausen, Stau oder Etwaiges on top. Das machen dann 3 Zwischenstationen mit Übernachtung bevor wir in Spanien am Mittelmeer ankommen. Aufgrund der Herbstferien und der damit verbundenen Bedenken keinen Campingplatz zu bekommen, buchen wir die Übernachtungen vorab.


Reisetag 0


Ich hole alles was auf der Packliste steht und noch nicht seinen Weg in den Wohnwagen gefunden hat und stopfe es in den Wohnwagen. Alles recht willkürlich da mir die Erfahrung fehlt was sich wo am besten macht. Ich bin ehrlich überrascht wie viel rein passt! Ich bin fertig und es gibt immer noch leere bzw. nicht völlig ausgeschöpfte Fächer.


Ich fühle mich wie die Schnecke mit dem juckendem Fuß. Ich will los.


Reisetag 1


Ich schlafe unruhig und wecke meinen damit dann recht mürrischen Mann zeitiger als der Wecker geklingelt hätte. Ich bin sofort startklar und übe mich in Geduld bis alle Erwachsenen bereit sind Auto und Wohnwagen in Startposition zu bringen. Das erfordert erneut Geduld und ich meine die ein oder anderen Nachbarn/Nachbarinnen freuen sich auch, dass wir es irgendwann geschafft haben. Noch fix die Bettdecken und zu guter letzt holen wir die Kinder aus den Betten und schließen ab. Tschüß. Adios. 5:24 Uhr bewegen sich 6 rollende Reifen und 5 Seelen Richtung Frankreich.


Wie erhofft schlafen alle während der Autofahrt ein bisschen. Die Kinder freuen sich dass wir endlich auf der so lang angepriesenen Reise sind, auch wenn vor allem bei dem 8jährigen Kind das Herz schwer vom Abschied ist. Viel besser als erwartet allerdings verläuft es auf der Autobahn - kein Stau, wenig Verkehr und das trotz Start der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen. Wir sind aber auch früh dran: 11 Uhr fahren wir bereits auf den Campingplatz in Val-de-Vesle.


Dort herrscht absolutes Anfänger*Innenwetter vor: Sonnenstrahlen, Wärme und kaum ein Lüftchen weht. Ebenso da vorzufinden sind Baumkäfer, Fliegen und Marienkäfer, die die letzten intensiven Sonnenstrahlen genießen. Ich übernachte zu Gast in der Natur und kann es somit akzeptieren. Die Menge ist dennoch überwältigend. Außerdem ist der Platz gepflegt, sauber, naturnah und hat einen Spielplatz - perfekt für uns für diesen Tag.


Wir platzieren den Wohnwagen und öffnen die Tür und huch, es ist doch einiges umgeflogen während der Fahrt - die Kühltruhe ist einmal auf die andere Seite gehuscht. Die haben wir vergessen in der Halterung zu befestigen. Der Hocker ist vom WC rüber zur Küche, was theoretisch auch ein guter Ort ist und die Heizungsabdeckung, die mit Ausbau der Gasheizung lediglich Zierde ist, muss scheinbar fest geklebt und nicht nur fest gesteckt werden. Gut, wir lernen daraus.


Alle 5 sind höchst motiviert und es wird, auch wenn völlig unnötig, die Sackmarkise erstmalig aufgebaut. Essen bereiten wir auf der Arbeitsfläche draußen am Wohnwagen vor. Es wird viel gewühlt um an die Sachen ran zu kommen. Ich bin bereits genervt vom anheben der Sitzpolsterungen um an die darunter befindlichen Herdplatten zu kommen. Ich werde mir schnellstmöglich überlegen wie ich das effizienter gestalten kann. Leider passen auch unsere 3 (!) CEE Kabel nicht mit dem vom Campingplatz überein, so dass ein Teil der Familie loszieht um ein passendes einzukaufen. In dem Moment einmal mehr dankbar bin ich um unsere Panelen (mit dazugehöriger Powerstation), so haben wir dennoch weiterhin Strom und alles bleibt gekühlt.

Campingplatz
Campingplatz

Reisetag 2


Der Tag beginnt mit einem gemütlichen, entspannten, gemeinsamen Aufwachen und kuscheln im warmen Bett. Die Kälte ist da. Die Feuchte außerhalb des Wohnwagens überrascht uns: die Kochablage ist feucht. Die Picknickdecke, welche ich zum Lüften über den Wäscheständer hab hängen lassen, ist komplett nass. Die nehmen wir nun nass mit, hängen sie am nächsten Campingplatz erneut auf den Wäscheständer auf und hoffen, dass sie schnell trocknet.


Wir lassen den Tag langsam starten, machen den Wohnwagen bereit, wobei alle 5 mithelfen, und sind gegen späten Morgen auf der Autobahn. Meine Motivation grenzt am Gefrierpunkt: LKWs überholen uns, die Kinder sind ausgeschlafen und fit - so sitzend im Auto. Die Sonne scheint. Es zieht sich. Gefühlt halten wir aller 1 - 1,5 Stunden, weil Toilette, doch noch mal lieber tanken, noch mal Toilette und haben sich die Füße vom Wohnwagen schon immer so im Rückspiegel bewegt? Lieber noch mal nachschauen. Ich möchte in dem Zuge ein riesiges Lob an französische Raststätten mit und ohne Tankstellen darauf aussprechen. Sauber, meist mit Spielplatz, viele Parkplätze auch extra für Wohnmobile und Wohnwägen. Habe ich schon sauber geschrieben? Also auch die Toiletten. Vor allem die Toiletten. Und ohne dafür zu Geld zu nehmen. Bei Lyon entlang zu fahren ist eine Augenweide: mit Fluss und den Herbstblättern wird meine unruhige Seele besänftigt.


Familien WC auf einer Raststätte
Familien WC auf einer Raststätte

Es kommt wie es kommen musste, wir erreichen unser Ziel in Mâcon: ein grossflächig angelegter, sehr reinlicher, mit mehreren Waschhäuser und von vielen zum Zwischenstopp genutzter Campingplatz. Zu unserem Aufenthalt war dieser leider ohne benutzbaren Spielplatz. Ebenso wie Klopapier. Davon ist auch keins ins Sicht. Da das bei der 1. Unterkunft auch der Fall war, nehme ich an dass das so, zumindest in Frankreich, üblich ist.


Wir öffnen die Wohnwagentür und: alles ist an seinem Platz. Ich bin erleichtert. In Mâcon versteckt sich die Sonne und so dinieren wir erstmalig im Wohnwagen, welchen ich übrigens den Namen Aurelio gebe. Ein gemütliches, kuscheliges Gefühl zu 5. auf so engem Raum. Wie bei diesem ganzen Hin und Her Sauberkeit thematisiert werden kann, ist mir aktuell rätselhaft. Ich bleibe aber am Thema dran ;)  Es ist abends im Bett auch recht frisch, der Herbst ist da, und so bin ich sehr dankbar um Winterbettdecken, Felle und Kuscheldecken.


Reisetag 3


Wir sind routiniert: im Wohnwagen wird Kaffee und Tee gekocht (wichtiges für die Laune von uns beiden Eltern), Bett aufräumen, Wassertank leeren, Urinbehälter leeren, alles Übrige verstauen, Tür zu. Draußen gehts weiter: Stromleitung abnehmen, Grauwasser wegschaffen, Füße einfahren, ankoppeln und los. Dafür, plus Familienlieben, benötigen wir in etwa 1 - 1,5 Stunden.


Stau haben wir auf der Autobahn wieder nicht. Wir sind sehr dankbar dafür. Jetzt kommt herausragendes Wetter hinzu - unpraktisch zum Kilometer schrubben und mein Motivation. Mein Po scheint Muskelkater vom Sitzen zu haben, es ist durchweg unangenehm. Mittlerweile registriere ich, dass uns nicht nur LKWs sondern auch andere Wohnwägen überholen. Ich halte mich an die 80 km/h, es ist ein Lebensstil der mit dem Wohnwagen kommt, meint mein Mann. Ich denke ich könnte das Wohnwagenleben genießen UND schneller fahren. Ein weiterer, nicht eingeplanter Dämpfer waren die hohen Mautgebühren.


Unsere nächste Unterkunft liegt in Saint-Gille. Wir reisen an und beziehen eine von vielen freien Parzellen während die Rezeption unbesetzt aber alles offen ist. Glücklicherweise. Später erlesen wir dass ausschließlich Wohnwägen mit maximal 5,50 Meter Länge in dem Platz campen dürfen. Da sind wir mit 7,10 Metern doch etwas drüber. Nervös sind wir deswegen schon und sprechen die Rezeptionistin an. Ganz entspannt war diese als wir bestätigten das wir bereits eine Parzelle bezogen haben. Wir dürfen bleiben.


Im Wohnwagen finden wir immer noch tierische Mitreisende von dem 1. Campingplatz - Fliegen und braune Baumwanzen, welch bleibenden Mitbringsel. Die Kinder machen und helfen mit, bei Aufbau, Abbau, beim Spülen. Ohne sie würde das auch nicht funktionieren (und auch nicht stattfinden), dennoch ist der Geduldsfaden kürzer als gewohnt. Wir sind es alle nicht gewohnt so lang und viel zu sitzen, unterwegs zu sein, anzukommen und doch nicht anzukommen. Umso mehr sind wir dankbar für den Pool am Platz, einen für Kleinkinder und einen für Schwimmer*Innen. Die Kinder nehmen es dankend an bei der Hitze. Gestern war noch Herbst, heute ist schon Sommer. Ich bin etwas unschlüssig wie ich mit diesen Temperaturen umgehen soll, immerhin habe ich meine Kleidung für Herbst/Winter gepackt.


Den 2. Tag in Folge haben wir einen Untergrund der nicht aus Gras ist bzw. ehemals aus Gras bestand und jetzt aus Staub mit ein paar kleineren Steinen besteht. Das lässt mich vorahnen als wenn draußen und demnach irgendwann auch drinnen alles staubig-schmutzig wird: die Spielsachen, die Schuhe, der Fussvorleger. Unsere Picknickdecke wollen wir auch nicht so recht auf den Boden ausbreiten. Daher und weil wir es unbedingt ausprobieren wollen, essen wir den Abend auf den für alle zugänglichen Bänken mit Tischen aus Holz, ganz typische Picknickbänke. Das gefällt uns sehr und gibt das Gefühl, dass wir erfahrene Camper*Innen sind. Ein weiteres Highlight sind die sehr sauberen Sanitärbereiche - weiterhin ohne Toilettenpapier - und die hohe Abgrenzung der Parzellen. Ich kann die 1. Nacht die Rollos oben lassen, es kann uns niemand sehen und kein künstliches Licht tritt ein.


Reisetag 4


Wir sind routiniert(er), die Abläufe spielen sich ein. Unsere Kinder trauen sich mehr und helfen bei den meisten Vorbereitungen mit. Schneller als anfänglich sind wir dadurch jedoch nicht. Der Startzeitpunkt liegt ungefähr bei 9-9:30 Uhr. So liegt zumindest auch der Berufsverkehr zeitlich hinter uns. Zusätzlich sind wir heut höchst motiviert da wir wissen: wir erreichen unseren Zielort!


Die Fahrt ist wesentlich angenehmer: wir fahren am Meer vorbei, an Städten und sehen dadurch die anders als in Nordrhein-Westfalen aussehende Häuser sowie die veränderte Flora und Fauna. Es entsteht ein Urlaubsgefühl. Auch überlegen wir bereits welcher Wochentag denn heute ist. Mal nieselt es und schon scheint wieder die Sonne. Vor allem an der Grenze von Frankreich zu Spanien in den Bergen ist das Wetter wechselhaft. Absolut beeindruckend wie wir auf einen Schlag ca. 20 beieinander stehende Störche auf einem Industriewerk sehen. Der Zugvogel ist auf seinem Weg in wärmere Regionen. 


Ich bin soweit und erkenne Vorteile beim Fahren mit Wohnwagen: Blitzer bringen meinen Puls nicht mehr nach oben. Was kann an 80 km/h schon falsch sein? Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen kann ich geflissentlich ignorieren, entfallen direkt aus meinem Blickfeld, die liegen einfach außerhalb der Reichweite von unserem Auto in Kombination mit Aurelio. Irgendwann ist Land in Sicht und wir erreichen endlich unseren Zielort. Insgesamt 21:43 Stunden reine Fahrtzeit und 1.461 gefahrene Kilometer. Wir sind angekommen.

 
 
 

1 Kommentar


Diggidi 14
Diggidi 14
04. Nov. 2025

Wie spaaaaannend!!!

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