Das Leben auf „Camping Las Palmeras“ in Girona
- Judithsvilla
- 15. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Im absolutem Hochgefühl erreichen wir den 1. Campingplatz auf dem wir länger als eine Nacht verbleiben. Es begrüßt uns eine Schranke, die wir passieren dürfen sollen und uns bei der Rezeption melden. Wir werden auf deutsch begrüßt was mich irritiert. Das Gespräch führt mein Mann dann jedoch auf spanisch. Ich bin mir unsicher welches die Muttersprache ist. Im Laufe des Check-Ins höre ich meines Erachtens fließend deutsch, spanisch und englisch.
Wir dürfen die Parzelle wählen. Mit den Bisherigen haben wir bereits gelernt: ein Platz nahe am Waschhaus oder und an einem Spielplatz bringt unserem Alltag Entspannung. Hier bekommen wir beides. Die Parzelle ist relativ klein auch aufgrund von 3 Bäumen und einer abgerundeten Ecke wodurch das Platzieren von Auto, Wohnwagen und Sackmarkise eine Herausforderung ist. Ein Urlauber hilft uns beim manövrieren von Aurelio. Ein Vorteil der Bäume: ich kann erstmalig die mitgebrachte Wäscheleine von Baum zu Baum hängen. Ok ich gebe es zu: die Wäscheleine ist zwischen Baum und Laterne befestigt, bei den anderen beiden Bäumen wäre die Leine taktisch unklug angebracht (wir könnten das Auto nicht mehr heraus fahren). Für die Hängematte reicht es dementsprechend auch nicht, aber ich arbeite mich langsam vor. Der Boden auf der Parzelle ist von der vielen Nutzung leider wieder eher staubig als begrünt. Der Gummihammer ist bislang eins der meist genutzten Werkzeuge und kommt auch bei diesem Boden wieder zum Einsatz. Nur mit ihm bekommen wir die Heringe mit dieser Trockenheit hinein geklopft.

Wie sich herausstellt ist unser Stellplatz einer der zentralsten. Wir sind an einem von 3 Spielplätzen, an einem von 2 Waschhäusern und noch dazu an DER Durchfahrtsstraße zu vielen anderen Parzellen positioniert. Dadurch kommt es, dass Kind2 und Kind3 sich an den Rand des Platzes setzen und Wohnmobile, andere Urlauber*Innen, Wohnwägen die kommen und gehen, Autos und Fahrradfahrer*Innen beobachten können und keine Zeit für Langeweile entsteht. Es lässt jedoch vor allem mir wenig (innere) Ruhe. Weiterhin leben wir dadurch nach den Zeiten des Campingplatzes: Aktivitäten bis 22 Uhr und die ersten Toilettengänger*Innen hören wir ab 7 Uhr. Die meisten Autos sind aus Deutschland und statt eines „Hola“ wird mit „Hallo“ gegrüßt. Ich mag mir kaum vorstellen, wie es in der Hochsaison abläuft. Ich lese, dass es Mittwochs Live Musik gibt und Volltreffer, wir nehmen einen Mittwoch mit und da ist kurz vor 23:30 Uhr ist Ruhe.
Meinen Kindern gefällt auf dem Platz besonders, dass sich Kettcars (gegen Entgelt) ausgeliehen werden können. Kind2 schnappt sich Kind3 und chauffiert es umher. Kind1 erfreut sich an dem einen beheizten Pool (es gibt insgesamt 4). Auch das Kiosk ist für Kind1 ein Traum, da es dort für Besorgungen allein hingehen, einkaufen und zurück kommen kann. Dort geht dann auch Kind2 erstmalig ohne Elternteil einkaufen. Das absolute Highlight für mich bietet die Familiendusche bzw. interpretiere ich es als Familiendusche. Wir passen zwar nicht alle in eine Kabine aber wir können als Familie zusammen duschen gehen, sind nicht räumlich getrennt. Generell sind die Sanitäranlagen sehr, sehr sauber.

Bei den Waschbecken für das Geschirr ist das Heißwasser separat abzuzapfen. Der Campingplatz unterstreicht damit seine wasserschonende Nutzung. Der Abwaschnachbar/die Abwaschnachbarin weiß wie es geht und so wird der IT Trick Nummer 2 angewand: Copy and paste.
Wäsche waschen und trocknen nutzen wir hier für unsere meisten Kleidungsstücke. Zu Hause haben wir keinen Trockner, dafür ausreichend Wäscheständer und -Leinen. Auf dem Roadtrip steht uns genau ein Wäscheständer und ein paar Wäscheleinen zur Verfügung, das reicht im best case (den ganzen Tag Sonne) aus, aber nicht im Normalfall. Leider ist das Waschmittel bereits eingefüllt, für eigenes kein Platz. Für unsere Familie nutze ich lieber eigenes, was dann lediglich in Waschsalons in der Stadt möglich wäre. Das sehe ich für unsere Konstellation (ich plus 3 tagsüber allein unterwegs) nicht gut umsetzbar. Bei den Maschinen gibt es ein Bücherregal in dem gelesene Bücher verbleiben können, wo wir am Ende unseres Aufenthaltes ein Buch hinterlassen.
Weiterhin fällt mir auf, dass der Müll wie in Deutschland genauestens getrennt wird. Unser PopUp-Mülleimer weißt 3 Fächer auf, damit fühle ich mich underdressed da vor Ort noch penibler getrennt wird. Definitiv hervorzuheben sind die äußerst sauberen Müllsammelstellen. Ich warte innerlich auf dem Moment der ersten Kakerlake über den Weg zu laufen, ich denke bei diesen Mülltonnen wird das nicht der Fall sein.
Es ist mitten im Oktober und sehr warm, sogar badewarm. Der Strand ist 10 Gehminuten entfernt, die wir gerne in Kauf nehmen um dann fast vom Winde weggepustet zu werden. Wer hätte damit gerechnet? Das spiegelt es ganz gut wieder: tagsüber ist es angenehm warm, in der Sonne heiß. Sobald die Sonne untergeht, wird es Pullover und mehr frisch. Für die Nächte habe ich mir schon während der Hinfahrt einen Life Hack angewöhnt, um frühs warm aus den Federn zu kommen: abends lege ich mir die Kleidung für den nächsten Tag am Bett zurecht, frühs wenn ich erwache, schnappe ich diese und lasse sie ein paar Minuten unter der Bettdecke verweilen. So kann ich vorgewärmte Kleidung anziehen und das Aufstehen fällt mir ein wenig leichter, denn auch wenn es bis zu 25° C am Tag werden, frühs ist es frisch. Da wir beim Thema Bett sind: beim Bettbezug wechseln finde ich erneut eine Baumwanze. Sehr sicher ist die von unserer 1. Übernachtungsstätte in Frankreich mit uns hierher gereist.
Gelegentlich spazieren wir abends nach dem Abendessen über den Platz und ich erkenne: die Ruhe kommt auf diesem Campingplatz mit der Entfernung von den zentralen Stellen. Ich bin neidisch darum. Dennoch ist unser Platz in der jetzigen Situation passend für uns.
Am Tag unserer Abreise bekommen wir erneut unsererseits ungefragt Hilfe beim raus manövrieren von Aurelio. Eine sehr schöne Erfahrung, die ich verinnerliche und weiter geben möchte falls jemand anderes Hilfe benötigt, auch ohne zu fragen.



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